Investitionen halten den Zyklus am Laufen
Die Weltwirtschaft zeigt sich trotz geopolitischer Spannungen, höherer Energiepreise und gestiegener Zinsen erstaunlich robust. Für 2026 wird weiterhin ein globales Wachstum von rund 3% erwartet. Besonders die USA überraschen positiv, während Europa zwar deutlich langsamer wächst, sich aber ebenfalls widerstandsfähiger zeigt als zu Jahresbeginn erwartet.
Bemerkenswert ist weniger die Höhe als die Zusammensetzung des Wachstums. Investitionen entwickeln sich deutlich dynamischer als der private Konsum. Der KI-getriebene Ausbau von Rechenzentren, Halbleitern und Stromnetzen geht längst über die USA hinaus. Gleichzeitig sorgen höhere Ausgaben für Infrastruktur und Verteidigung für zusätzliche Nachfrage. In den G7-Staaten dürften die Investitionen 2026 und 2027 fast doppelt so stark wachsen wie der Privatkonsum.
Regional bleiben die Unterschiede gross. In den USA stützen Technologieinvestitionen und ein robuster Konsum die Konjunktur. Die Eurozone profitiert von höheren öffentlichen Ausgaben und einer Belebung der Kreditnachfrage, bleibt mit einem erwarteten Wachstum von knapp 1% aber zurück. China verliert dagegen an Dynamik.
Positiv überrascht die Schweiz. Das kräftige zweite Quartal wurde durch einen aussergewöhnlichen Exportbeitrag von Pharma und Chemie getragen. Frühindikatoren und Binnennachfrage deuten auf eine breitere Stabilisierung hin.
Wir bleiben trotz höherer Zinsen konstruktiv. Der Investitionszyklus dürfte die globale Expansion weiter stützen, während gestiegene Finanzierungskosten und Energiepreise die Risiken erhöhen. Entscheidend wird sein, ob dauerhafte Produktivitätsfortschritte entstehen. Der Zyklus läuft weiter, aber seine Tragfähigkeit wird an den Investitionen gemessen.





