Zinsen: Zurück in die andere Richtung
Noch vor wenigen Monaten dominierte die Frage, wann die nächste Zinssenkung kommen würde. Inzwischen hat sich das Bild gedreht. Die Inflation erweist sich hartnäckiger und die Wirtschaft widerstandsfähiger als erwartet. Aus Zinssenkungsfantasie ist wieder Straffungsdruck geworden.
Die US-Notenbank erhöhte im September erstmals seit 2023 ihren Leitzins um 25 Basispunkte. Auch die EZB setzte ihren Kurs fort. Japan erhöhte ebenfalls, während die Bank of England vorerst abwartet. Die Schweiz bleibt mit einem Leitzins von 0% die grosse Ausnahme. Dank moderater Inflation und eines weiterhin starken Frankens, besteht für die SNB derzeit noch wenig Handlungsdruck.
Bemerkenswert ist die Entwicklung bei den langfristigen Zinsen. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen hat die Marke von 5% wieder erreicht. Neben Inflation spielen dabei hohe Staatsdefizite, steigender Refinanzierungsbedarf und höhere Risikoprämien eine zunehmend wichtige Rolle. Auch in Europa und Grossbritannien sind die langfristigen Renditen deutlich gestiegen. Für Anleger eröffnet das neue Chancen. Hochwertige Unternehmensanleihen bieten wieder attraktive Renditen, ohne übermässige Kreditrisiken. Die Aufschläge von Hochzinsanleihen sind dagegen historisch tief und entschädigen aus unserer Sicht nur begrenzt für die zusätzlichen Risiken.
Wir erwarten deshalb kein rasches Zurück. Die kommenden Monate dürften vielmehr von höheren, aber zunehmend differenzierten Zinsen geprägt sein. Für Anleihen ist das nicht zwingend schlecht. Nach Jahren mit aussergewöhnlich tiefen Renditen dürfte der laufende Ertrag wieder ein wesentlicher Bestandteil der Gesamtrendite werden.





