Die Vorliebe zum Heimatmarkt Schweiz schadet im Anlagegeschäft nicht.
Beim Investieren neigen viele dazu, den Fokus auf Wertschriften aus dem eigenen Land zu setzen. In der klassischen Portfoliotheorie gilt diese Vorliebe als Verzerrung: Anleger investieren überproportional in ihren Heimmarkt und verzichten damit auf globale Diversifikation und Renditechancen. Doch die Realität der letzten Jahre zeigt ein differenzierteres Bild, insbesondere für Schweizer Investoren mit Fokus auf den Swiss Market Index (SMI).
Analysen der Zürcher Kantonalbank und von der Bank Vontobel legen nahe, dass sich diese Heimatneigung in der Schweiz durchaus ausgezahlt hat. Während globale Indizes von starken Zyklen geprägt waren, erwies sich der SMI als bemerkenswert stabil. Ein wesentlicher Grund liegt in der Struktur des Index: Er wird von defensiven Qualitätsunternehmen dominiert, darunter globale Marktführer aus den Bereichen Gesundheit, Konsum und Finanzdienstleistungen.
Gerade in unsicheren Marktphasen spielen diese Eigenschaften ihre Stärke aus. Vontobel hebt hervor, dass Schweizer Unternehmen häufig über starke Marken, hohe Innovationskraft und eine ausgeprägte Preissetzungsmacht verfügen. Hinzu kommt ein günstiges Finanzierungsumfeld in Schweizer Franken, das die Kapitalkosten niedrig hält. Diese Faktoren ermöglichen es ihnen, auch in inflationären oder rezessiven Umfeldern stabile Margen zu erzielen und Dividenden auszuschütten. Der Heimatfokus wirkte hier somit nicht als Bremse, sondern als Rendite-Treiber.
Hinzu kommt noch der Währungsaspekt. Der starke Schweizer Franken bestätigte in diesen Phasen seine Stabilität, während insbesondere die Abschwächung des US-Dollars (rund -16% in den letzten fünf Jahren) grosse Teile der höheren Rendite wieder vernichtete.
Ein weiterer zentraler Punkt relativiert die oft kritisierte mangelnde globale Diversifikation: Viele SMI-Unternehmen produzieren und erwirtschaften den Grossteil ihrer Umsätze auf der ganzen Welt.
Dennoch bleibt Vorsicht angebracht. Die hohe Konzentration des SMI auf wenige Titel und Sektoren kann langfristig Klumpenrisiken bergen. Der Fokus auf nationale Vermögenswerte ist daher kein Allzweckmittel, sondern ein taktischer Vorteil, der von Marktphase und Indexstruktur abhängt.
In der Schweiz ist die Vorliebe für den Heimmarkt nur teilweise ein rein emotionaler Aspekt, sondern auch rational erklärbar. Die Kombination aus global ausgerichteten Qualitätsunternehmen und stabilen Rahmenbedingungen macht den SMI zu einer besonderen Anlageklasse und erklärt, warum sich die Heimatliebe im Portfolio zuletzt gelohnt hat.

Giorgio Saraco,
Teilhaber, Leiter Asset Management





